GESAMTWIRTSCHAFTLICHE PARADOXA UND MODERNE
WIRTSCHAFTSPOLITIK
– Wolfgang Stützels Beitrag zu einer rationalen Ökonomie –
von
Heiner Flassbeck
(erscheint in einem Sammelband zum 75. Geburtstag von Wolfgang Stützel im Herbst 2000)
Einführung
Wenn man heute Wolfgang Stützels Beitrag zur Volkswirtschaftslehre Revue passieren läßt
und sich gleichzeitig den Stand der aktuellen wirtschaftspolitischen Auseinandersetzung vor
Augen führt, ist man zwischen Verzweiflung und Zynismus, Wut und Erstaunen hin– und
hergerissen. Wolfgang Stützel ging es vor dreißig Jahren ähnlich. In der Veranstaltung zu
Wirtschaftstheorie– und politik, die er mit Vorliebe sein „Oberseminar“ nannte, begann der
vortragende Seminarist regelmäßig mit der Darstellung hochtrabender theoretischer Modelle
und endete, im Gefolge eigener Fehler oder „angeregt“ durch Wolfgang Stützel, regelmäßig
bei der Deklination der volkswirtschaftlichen Saldenmechanik. Solche Kurse würde man auch
heute noch vielen Ökonomen und Politikern wünschen. Genau wie damals werden heute in
der wirtschaftspolitischen Diskussion ohne Unterlaß Positionen bezogen, von denen man
schon aufgrund der saldenmechanischen Zusammenhänge weiß, daß sie nicht haltbar sind.
Trotzdem oder vielleicht gerade deswegen haben die Ökonomen, in Deutschland
insbesondere, ein gespaltenes Verhältnis zu ihren eigenen logischen Grundlagen. Einen
Mathematiker, der sich in seinen Ausführungen immer eilfertig von den Grundrechenarten
distanzierte, würde die Disziplin rasch zum Schweigen bringen. Einen Physiker, der bei
seinen Ableitungen beiläufig die Newtonschen Gesetze „wiederlegte“ oder schlicht ignorierte,
würden die Fachkollegen sicher in Minuten demontieren. Anders in der Ökonomie: Es ist
geradezu tugendhaft, wenn man sich von „Identitäten“ und „Saldenmechanik“ distanziert,
ganz gleich, wie oft man dabei gegen die reine Logik verstößt.
25 November, 2011 um 16:58 Uhr
[...] Beiträge zum Thema Stützel-Schüler Flassbeck Stützels Beitrag zu einer rationalen Ökonomie [...]
30 Januar, 2012 um 18:09 Uhr
[...] über ihre Beziehung zur Logik nicht auch künftig noch so zu urteilen ist wie im folgenden Auszug aus einem Artikel von Heiner Flassbeck (erschienen in einem Sammelband zum 75. Geburtstag von Wolfgang Stützel, Herbst [...]