Liebe deutsche Mitbürger(innen),
unsere Kanzlerin will ab 01.02.2012 mit den Bürgern über Grundsatzfragen in den Dialog treten. „Wie wollen wir zusammenleben?“, „Wovon wollen wir leben?“, „Wie wollen wir lernen?“ sollen wohl die Überschriften sein. Ein Thema wäre aber wohl eine eigene Überschrift wert:
„Wie wollen wir sparen?“
Nun ist „sparen“ ein sehr mehrdeutiges Wort. Wir meinen es in dem Sinne, wie wir mit unserem Einkommensanteil umgehen, den wir nicht verkonsumieren können oder wollen. Zu dieser Frage gibt es bisher kaum eine Diskussion. Wir werden nachfolgend begründen, warum dies eine Kernfrage zur Erhaltung von Frieden und Wohlstand ist. Diese Frage ist nämlich mit einem anderen drängenden Problem unmittelbar verbunden: der wachsenden Staatsverschuldung in Deutschland und fast allen entwickelten Industrieländern der Welt. Die folgenden trivialarithmetischen Verknüpfungen wird kaum ein Volkswirt ernsthaft bestreiten. Nur leider werden sie von den Ökonomen nicht in der gebotenen Klarheit in die Diskussion zur „Staatsschuldenkrise“ eingebracht. Bitte helfen Sie mit, dieses Wissen als Grundlage einer aufgeklärten gesellschaftlichen Diskussion zu verbreiten:
Globale Staatsverschuldung = globale private Geldvermögen
Diese Identität bedeutet:
global wachsende private Geldvermögen = wachsende globale Staatsschulden
global sinkende private Geldvermögen = sinkende globale Staatsschulden
National gilt für ein Exportüberschussland wie Deutschland:
Staatsschuldenwachstum = Wachstum der privaten Geldvermögen abzgl. Exportüberschüsse
National gilt für ein Importüberschussland wie Griechenland:
Staatsschuldenwachstum = Wachstum der privaten Geldvermögen zzgl. Importüberschüsse
Was bedeuten diese Zusammenhänge nun praktisch? Ganz einfach: Wenn wir die Staatsverschuldung nachhaltig begrenzen wollen, müssen wir die private Geldvermögensbildung begrenzen. Man kann die für die inländische private Geldvermögensbildung erforderliche Staatsverschuldung zwar durch Exportüberschüsse in andere Länder verlagern, aber die geringe Nachhaltigkeit dieser Lösung dürfte vor dem Hintergrund der Eurokrise doch wohl ziemlich augenfällig sein. Es gibt sehr viele diskutable Varianten, wie wir mit der Problematik erfolgreich umgehen können. Schlimmerweise gibt es auch zwei Varianten, die uns aus rein logischen Betrachtungen ins Unglück stürzen müssen:
1. Fortsetzung des deutschen “Staatsschuldenexports” durch Exportüberschüsse
2. Staatliche Sparprogramme in „Schuldnerländern“ ohne private „Entsparprogramme“
Genau auf diesen Wegen wandeln wir aber leider heute – die ständig wachsende Krisen-Eskalation ist schlicht dieser (bezüglich der oben genanten Grundzusammenhänge unaufgeklärten) Krisenpolitik geschuldet. Die absehbare Eskalation unserer Fehler müssen wir dringend für das Einschlagen neuer Wege nutzen. Neben dem Grundlagenwissen wollen wir heute die gangbaren Wege stichpunktartig anreißen. Ohne weitere Exportüberschüsse (die wegen Anheizung der Euro-Krise indiskutabel sind) gilt also:
Staatsschuldenwachstum = Wachstum der inländischen privaten Geldvermögen
private Geldvermögen = alle Geldforderungen der Privaten abzgl. aller Privatverschuldung
Frage 1: Wollen wir überhaupt die deutschen Staatsschulden begrenzen, wenn dies die privaten deutschen Geldvermögen begrenzt?
Es gibt prinzipiell auch Wege, die Staatsverschuldung weitgehend zinslos zu gestalten. Dann wären Staatsschulden rein technisch nicht wirklich ein Problem, weil sie dann nicht wie bisher von ganz allein exponentiell anwachsen und ständig zusätzliches Geld kosten. Gehen die privaten Geldvermögen dann einmal stärker einkaufen, tilgen sich die Staatsschulden automatisch – dies kann in drei oder 300 Jahren sein. Aber natürlich hat man uns die Staatsverschuldung als so großes Problem vermittelt, dass diese Vorstellung wahrscheinlich einige Bauchschmerzen auslöst. Lesenswert ist die entspannte Sicht des japanischen Ökonomen Koo – die Japaner haben ganz ähnliche „Sparprobleme“ wie die Deutschen.
Frage 2: Wenn wir die Staatsschulden begrenzen wollen – tun wir es durch weniger Privatguthaben oder durch mehr Privatverschuldung?
Prinzipiell funktioniert beides – die privaten Geldvermögen und damit die Staatsschulden sinken, wenn die Privatguthaben schrumpfen oder die Privatschulden steigen. Nur sind steigende Privatschulden weniger nachhaltig, da diese ja in den nächsten Perioden wieder getilgt werden und dort dann den Problemdruck erhöhen. Die privaten Kredittilgungen sind heute schon eine enorme Belastung, diese oft übersehene Problematik bringt die schnelle Absturz-Geschwindigkeit.
Frage 3: Wenn wir die privaten Guthaben abbauen wollen – wie und wessen Guthaben, und nur auf Sog oder auch auf Druck?
Politische Drucklösungen
Guthabenschnitt, Zwangshypotheken in Sachvermögen, höhere Vermögenssteuern, höhere Erbschaftssteuern, steilere Einkommensteuerprogression, generelle Umverteilung von Reich zu Arm
Marktlösungen (von manchem wohl auch als Druckvarianten wahrgenommen)
Insolvenzen von Banken und Versicherungen einfach zulassen, Geldmarktstörung durch die bargeldbedingte Nullzinsgrenze abschaffen, Bargeldabschaffung oder Gesell-Geld ermöglichen marktgerechte Minuszinsen.
Politische Soglösungen (Anreizlösungen)
Unseren Vorschlag für eine Soglösung via einer “Monetative” finden Sie hier
Alle Anreize zur alternativen Sachwerthaltung statt Geldhaltung
Nullsparzinspolitik, Rahmenbedingungen für ungehebelte Sachwertverbriefung (Wertgeld), steuerliche Bevorzugung von Sachvermögen gegenüber Geldvermögen, Aufklärung zum “unschuldigen” Sachwert-Sparen.
Wiederherstellung der 100% umlagefinanzierten (beitragsfinanzierten) Altersvorsorge
Ausbau auf alle gesellschaftlichen Gruppen wie z. B. Selbstständige, um alternativen Aufbau von Geldvermögen in privaten Versicherungen zu vermeiden. Jegliche private Altersvorsorge nur fördern, wenn direkt Sachwerte (Wohneigentum) nachgefragt werden. Ergänzung um ein kleines bedingungsloses Grundeinkommen als zweite Säule aus der Besteuerung eher schädlicher Dinge (Naturverbrauch, Marktvermachtung, Kreditsteuer).
Es geht um Frieden und Wohlstand – machen Sie bitte mit!
Wir sehen, es gibt einige Alternativen zur eskalierenden Dauerkrise. Bitte bringen Sie sich ein. Diskutieren Sie hier mit uns und bringen Sie die oft verschwiegene Identität von Staatsschulden und privaten Geldvermögen in Diskussionen an anderer Stelle ein.
Links:
Die zwei Naturgesetze der Geldwirtschaft
Der Beweis unserer Thesen/Staatsschuldenformel in der Bundesbankstatistik
Geld, Kauf und Bezahlung
Finanzkrise und Gleichgewichtszins
Der allgemeingültige Zusammenhang von Staatsschulden und privaten Geldvermögen
Jedes Geldsparen schafft sich seine Verschuldung selbst
Der Systemfehler - Schulden haben einen Rückzahltermin - Guthaben nicht
“Standard&Fool’s” stuft die Deutschen herunter
Warum Staatshaushalte anders sind als Privathaushalte -es gelten Globalsätze
Sparen schafft Werte - Geldsparen schafft Schulden
Die Kredittilgungen und das wirtschaftliche Gleichgewicht
Vertiefte Wissenschaft zum Thema - Volkswirtschaftliche Saldenmechanik
23 Januar, 2012 um 21:42 Uhr
Vielleicht sollte hier noch eine Verkürzung der Arbeitszeit erwähnt werden. Wenn Arbeit zu Arbeitslosen umverteilt wird, wird insgesamt auch weniger gespart, da Vielverdiener überhaupt erst mal die Möglichkeit erhalten, ihr Geld zu verkonsumieren und “neue” Geringverdiener eh ihr gesamtes Gehalt ausgeben müssen.
24 Januar, 2012 um 16:52 Uhr
@Jan
ja, auch bezüglich der Ökologie ein wichtiger Gedanke, auch mal das Angebot zu reduzieren, statt künstlich Nachfrage für wirtschaftliches Gleichgewicht zu erzeugen.
24 Januar, 2012 um 17:21 Uhr
@Jörg Buschbeck
Eigentlich dachte ich das Angebot/ die Nachfrage wird dann vielleicht sogar ausgeweitet.
50 Arbeitslose mit 0€ Verdienst + 50 Personen mit einer 70Std./Woche mit 5.000€/Monat Verdienst sparen insgesamt doch bestimmt mehr als 100 Personen mit 2500€/Monat Verdienst und einer 35Std. Woche.
Interessant finde ich den Punkt 6 bei folgendem Link:
http://www.linksnet.de/de/artikel/20138
24 Januar, 2012 um 19:01 Uhr
@Jörg Buschbeck und alle anderen die Zeit und Lust haben mir zu antworten,
.
Was sagen sie eigentlich zu dem Punkt, dass das Globale Geldvermögen wesentlich geringer ist als die Globale Staatsverschuldung (Verhältnis 1:4)?
Liegt das am Zinseszins und dem dadurch entstehenden Wachstumsdruck um weiteres Kapital zur Tilgung der Schulden zu “produzieren”? Ich habe hier über negativen Zins auf Sparvermögen gelesen , nun kann ich mir nicht vorstellen, dass eine Investition aller Sparvermögen dazu führt dass alle Schulden getilgt werden.
Wenn es dazu auf dieser Hp schon eine Antwort gibt dann wäre ich dankbar für einen diskreten Hinweis
24 Januar, 2012 um 19:31 Uhr
@Jan,
meinetwegen auch mehr Nachfrage durch Geringverdiener statt künstlicher “Investitionsnachfrage” für Extremgehälter, der link ist sehr gut, komm ich noch zu.
@Ed
private Geldvermögen = alle Geldforderungen + Zahlungsmittel abzgl. alle privaten Verbindlichkeiten.
Erst nach Abzug der Verbindlichkeiten besteht die Identität mit den Staatsschulden!
Das Tilgen aller Schulden kann nicht das Ziel sein, vielmehr sollten die Unternehmer Schulden haben, sonst hätten Sie ja alle Sachvermögen netto. Es geht hier nur gegen Depression und Krieg. Minuszinsen sind nur ein Weg dagegen und wohl nicht der Favorit der angeregten Diskussion.
24 Januar, 2012 um 23:42 Uhr
Robert Skidelsky - Sparen macht die Krise schlimmer
Robert Skidelsky - Sparen macht die Krise schlimmer
25 Januar, 2012 um 06:13 Uhr
@hajo - herzlichen Dank für Link und Unterstützung durch Kommentare
zum Thema, es besteht Hoffnung, es ist nicht genetisch
“Zusammengefasst: Die deutsche Sparneigung steckt nicht in der DNS, sondern ist Ergebnis des Zusammenspiels von Kreditinstituten sowie einer Politik, die Altersvorsorge schon von Kindesbeinen an fördert”
http://www.ftd.de/politik/europa/:kolumne-tobias-bayer-ausgeben-muss-eine-sichere-bank-sein/60158668.html
aus einem Kommentar beim Spiegelfechter
Autor: Barnockel
Kommentar:
…, noch können die VWLer erklären, warum Sie diese Debatte nicht anstoßen?
Den Mainstream-VWLern fehlt es ja schon an einer auch nur halbwegs funktionierenden Geldtheorie, für die allermeisten Zwecke ignorieren sie die Existenz von Geld und Schulden rundweg. Kein Wunder, dass die sich auf keine Diskussionen einlassen — sie haben schlicht keine Ahnung, worum es überhaupt geht.
Alternative Ökonomen haben die Finanzkrise vorhergesagt, für die Neoklassiker ist es immer noch ein “Schock”. Man sollte solche falschen Propheten einfach nicht weiter beachten.
26 Januar, 2012 um 08:48 Uhr
[...] die Identität von Staatsschulden und privaten Geldvermögen allgemein bekannt zu machen, bitte fragen Sie bei Unklarheiten nach und erklären es dann anderen [...]
26 Januar, 2012 um 08:53 Uhr
[...] Bitte lasst uns jetzt die Alternativen diskutieren! [...]
26 Januar, 2012 um 09:29 Uhr
[...] Lasst uns jetzt bitte drüber diskutieren [...]
26 Januar, 2012 um 16:13 Uhr
[...] schwäbische Hausfrau ist das Modell für das Wirtschaften auf der Welt.”*) noch als lernfähig - schau’n wir mal? *Bundeskanzlerin Angela Merkel im Januar 2009 in der ZDF-Sendung “Was nun, [...]
30 Januar, 2012 um 17:38 Uhr
[...] Er versteht sich als ein Beitrag zu der gesellschaftlichen Diskussion, die in dem Online-Beitrag „Wie wollen wir sparen? Ein Aufruf zur gesellschaftlichen Diskussion“ angeregt wird. Der Aufsatz ist das Ergebnis ca. 20-jährigen Recherchierens, Nachdenkens und [...]
11 Februar, 2012 um 14:17 Uhr
[...] WARUM könnte ich jeden Tag Gegenstände auf meinen Fernseher werfen, wenn das “die Erde ist eine Scheibe” Horter ähhh Heute-Journal läuft und Klaus Kleber seinen Kommentar zur Entwicklung in Europa abgibt? WARUM sind wir ein Volk von ökonomischen Vollidioten? Warum sagen die deutschen Volkswirte nichts dazu - sind sie sehr böse oder sehr dumm? Warum hat uns ein kollektiver Wahn befallen? Warum sind wir FÜR Geldsparen, aber GEGEN die Geldschulden, welche Geldsparen auslöst? [...]
19 Februar, 2012 um 15:24 Uhr
@Jörg Buschbeck
Schon einmal daran gedacht, dass die Bevölkerung altert ?
Die aufgebauten Geldvermögen(Bargeld,Einlagen und Lebensversicherungen) werden vermutlich in Zukunft wesentlich schneller abgebaut als aufgebaut.
Da ein Hauptzweck des Geldvermögensaufbaus wohl eine gesicherte Altervorsorge ist, dürfte der zukünftige Abbau in den Konsum der Alten fliessen, das hat zur Folge, dass die Staatsschuld reduziert wird (durch die Rückzahlung der Staatsanleihen an die versicherer). Das Geld holt sich der Staat durch Ausgabeneinsparungen in gleicher Höhe. Die Ausgabeneinsparungen werden durch den Kosnum der Alten ausgeglichen.
Man müßte Statistiken haben aus denen man den zukünftigen Geldvermögensabbau der Alten ermitteln kann.
19 Februar, 2012 um 15:35 Uhr
@ReinerD
ja klar, wenn wir uns dann noch klar machen, dass die Staatsschulden automatisch getilgt werden, soweit wir dann nicht zum Importüberschussland werden…
Aber wir reden halt nicht drüber und schreiben eine Schuldenbremse mit 2/3 Mehrheit ins Grundgesetz….