Von Erika Reglin-Hormann - nach einem ersten realen Zusammentreffen in Hamburg mit Jörg Buschbeck und Michael Hönnig.
Wie der Finanzkollaps gestoppt werden kann
Seit etwa dreißig Stunden (nicht eingerechnet die Wochen und Monate zuvor, in denen das Thema immer mal wieder den sorgenvollen Geist beschäftigte) quäle ich mich nun mit der Finanzkrise herum und habe - schon ein wenig besessen - zahlreiche Quellen und Veröffentlichungen im Internet studiert. Jetzt, nach dieser intensiven Lesekur, raucht mir der Kopf, aber dennoch bin ich um einiges klarer darin. Das Wichtigste ist, dass ich folgendes Gefühl habe: Nein, ich bin nicht ohnmächtig angesichts einer globalen Finanzkrise. Ich kann etwas tun. Doch noch etwas anderes vorweg:
Gestern am frühen Abend traf ich mich mit dem Gründer dieses Portals erstmalig von Angesicht zu Angesicht, nachdem ich ihm vor einiger Zeit angeboten hatte, hier im Forum “Grundeinkommen” meine Beiträge zu veröffentlichen. Auf meinem eigenen Blog geht es vornehmlich um das Grundeinkommen - die immer intensivere Beschäftigung mit der Thematik führt aber auch zwangsläufig dazu, dass man sich irgendwann mit dem Geldsystem auseinandersetzt.
Mittlerweile bin ich zu der Ansicht gelangt, dass ein Grundeinkommen allein nicht die Probleme lösen wird, die wir gegenwärtig haben. Aber gemeinsam mit anderen sinnvollen Maßnahmen erschaffen wir höchst wunderbare, außerordentlich starke und sehr sinnvolle Instrumente, um sowohl das Geldsystem zu evolutionieren als auch die Kehrtwende in den sozialen Bereichen unseres Lebens zu erreichen; hin zu mehr Kooperation und dem Auffrischen uns allen bekannter und intuitiv verstandener Wertvorstellungen.
Worüber sprachen wir also gestern Abend? Es ging darum, wie ein Portal wie Global Change noch mehr Menschen erreichen kann, um darüber aufzuklären, dass die allgemeine Meinung, der Kapitalismus sei an allem Schuld und es gäbe keine realen Auswege aus der Schuldenfalle, zwar sehr präsent ist, aber nur auf unsere Ängste und Sorgen einzahlt.
Die breite Öffentlichkeit sieht sich mit Schlagzeilen und Endzeitszenarien konfrontiert, der sie nichts entgegenzusetzen hat, weil man glaubt, die gigantische Finanzkrise sei nicht mehr aufzuhalten. Die schlimmsten Befürchtungen, die wir alle in diesem Zusammenhang hegen, spiegeln sich in nachvollziehbaren Vorstellungen wieder: Hat erst einmal der Banken-Run begonnen (jeder will sein noch verfügbares Guthaben von den Konten nehmen), so ist der nächste gedankliche Schritt nicht mehr fern: Der Run auf die Versorgungseinrichtungen, also unsere Supermärkte. Niemand weiß so Recht, ob und wann so etwas eintreten könnte.
Was können wir also tun, um das zu verhindern? Zuerst einmal: Wir müssen uns gegenseitig informieren, welche Auswege es gibt. Ein Grundeinkommen scheint so ein Ausweg zu sein, doch ist unklar, ob es sich in absehbarer Zeit durchsetzen lässt und allein deshalb scheint es für viele schon zu mühsam zu sein, sich hier aktiv an der Informationspolitik zu beteiligen. Eine andere Möglichkeit, ist, sich anzuschauen, welche Alternative es zum derzeitigen Geldsystem es gibt. Denn es gibt sie. Sie heißt “Regiowährung”.
Regiowährung - Monopoly für Unternehmer?
Als ich zum ersten Mal davon hörte, dachte ich: Das ist ja ganz nett. Aber was habe ich davon? Und ist es nicht einfach nur ein bisschen Spielgeld für die ortsansässigen Unternehmer, die sich damit gegenseitig aus der Patsche helfen wollen? Diese Annahme hat sich jedoch nicht als richtig bestätigt. Es geht darum, zu verstehen, was eine Regionalwährung tatsächlich bewirken kann. Im Unterschied zum Geldmonopol, hierzulande ist das der Euro, ist eine regionale Währung dazu gedacht, stetig im realen (und nicht im virtuellen) Wirtschaftskreislauf in den Umlauf zu gelangen. Die Regiowährung dient nicht als Ersatz für den Euro, sondern ist komplementär.
“Regiogeld (auch Regionalgeld) ist ein zwischen Verbrauchern, Anbietern, Vereinen und Kommunen demokratisch vereinbartes Medium, das innerhalb einer Region als Zahlungs-, Investitions- und Schenkungsmittel verwendet wird.
Es bewegt sich auf Grundlage eines global entwickelten Wertestandards mit anderen sozialen Institutionen auf horizontaler (z. B. andere Regiogelder) und vertikaler Ebene (andere wertschöpfungsfördernde Systeme in der Region) so, dass sich der Lebensstandard in der Region auf Dauer positiv entwickeln soll.” (Auszug aus Wikipedia, weitere Informationen: www.wikipedia.de).
Wie kommt man aber überhaupt zu solchen Überlegungen? Hier haben bereits sehr viele Köpfe gedacht und ihre Gedanken zu Papier gebracht. Einige davon möchte ich nennen:
Dr. Margrit Kennedy: margritkennedy.de
Buchempfehlungen:
Um es in eigenen Worten auszudrücken, ist das gegenwärtige wirtschaftliche Streben allein auf Wachstum ausgerichtet. Wachstum versteht man allgemein als effektivstes Mittel, um die Wirtschaft am Laufen zu halten, um beispielsweise die aufgenommenen Kredite von Unternehmen zurückzahlen zu können und auf diese Weise Produktionsstätten und Arbeitsplätze zu erhalten. Wachstum entwickelt sich im heutigen System jedoch nicht auf natürliche Art, sondern angestrebt ist ein lineares und in den Ausuferungen des Kapitalismus ein exponentielles Wachstum. Beide Wachstumskurven widersprechen den natürlichen Entwicklungen auf unserem Planeten. Zudem berücksichtigen sie nicht die Balance, die es zwischen Effizienz und Belastbarkeit eines Systems geben muss. Verantwortlich für den unnatürlichen Wachstumszwang ist maßgeblich der Zins und der Zinseszins.
Was die Gesetzmäßigkeiten aus der Natur mit dem Finanzmarkt zu tun haben könnte, ist erst einmal nicht so ganz verständlich. Doch wenn man sich den Zwang zum Wachstum genauer betrachtet und dabei die Natur als Maßstab nimmt, stellt sich der Aha-Effekt ein - hierzu ein Auszug aus dem White Paper “Wege zur Bewältigung systemischer Bankenkrisen” von Bernard Lietaer, Dr. Robert Ulanowicz und Dr. Sally Goerner:
“Die Natur ist nicht auf die Erlangung maximaler Effizienz ausgerichtet, sondern auf eine optimale Balance zwischen den zwei gegensätzlichen Polen Effizienz und Belastbarkeit. Weil beide unverzichtbar sind für dauerhafte Nachhaltigkeit und Gesundheit, sind die gesündesten Flusssysteme solche, die eine optimale Balance zwischen den gegensätzlichen Zugkräften halten können. Umgekehrt führt die Überbetonung einer der beiden Eigenschaften zu einer systemischen Instabilität. Zu viel Effizienz führt zu Brüchigkeit, zu viel Belastbarkeit zu Stagnation; ersteres wird durch zu wenig Vielfalt verursacht, das zweite durch zu große Vielfalt und Vernetzung.”
Übertragen auf das Finanz-System:
“Zweifellos fragt man sich, ob die von den Ökosystemen zu lernenden Dinge auch dann noch Sinn ergeben, wenn wir sie auf andere Systeme übertragen wie zum Beispiel Wirtschaftsgemeinschaften. Man muss dabei unbedingt im Kopf behalten, dass die geschilderten Erkenntnisse aus der Struktur komplexer Systeme erwachsen und darum für jedes komplexe Netzwerk mit einer ähnlichen Struktur gültig sind, was auch immer in diesem System umgesetzt wird: Ob es sich um Biomasse in einem Ökosystem handelt, Information in einem biologischen System, Elektronen in einem
Stromnetz oder Geld in einem Wirtschaftssystem. In dieser Übertragbarkeit liegt gerade eine der Stärken der Betrachtungsweise als Netzwerk statt als eine Art Maschine.”
Siehe vollständige PDF auf Money Network Alliance
Jedem vernünftigen und beobachtenden Menschen dürfte klar sein, dass sich ein Wachstum, wie wir es in unserem Finanz-und Geldsystem haben, weit weg von der eigenen anfassbaren und realen Wirklichkeit befindet. Menschen, Tiere und Pflanzen wachsen nämlich nur so lange, wie es für sie “Sinn macht”, um im Kreislauf des Lebens zu existieren und ihren angemessenen Platz darin zu finden. Ein unkontrolliertes und stur auf Effizienz ausgerichtetes Wachstum berücksichtigt nicht die Einbettung in das ökologische System und will sich so verhalten, als wäre es davon abgespalten.
Würden sich beispielsweise einige wenige Menschen aussuchen können, wie groß und über welchen Zeitraum sie wachsen, so wäre recht schnell klar, dass sie mit Körpergrößen, die extrem über das Normalmaß hinausgehen, sich sowohl aus der menschlichen Gemeinschaft ausgrenzen als auch als bedrohlich angesehen würden. Beides wäre eine Tatsache und diese Menschen müssten sterben. Genauso verhält es sich mit dem Finanzsystem, das gerade dabei ist, sich selbst zu zerstören, indem es keiner Beschränkung unterliegt. Exponentielles Wachstum führt zwangsläufig zur Selbstzerstörung.
Das Kinderbuch von Janosch macht es selbst Kindern deutlich: “Einmal wollte Schnuddel ein Haus bauen, und Schnuddelhopp baute mit. Immer höher und höher hinauf und noch viel höher - bis dann, mit einem Mal, das ganze Haus zusammen bricht … das kommt davon, wenn gar nichts hoch genug sein kann.”
Wissen & Handeln
Zurück zu dem, was jeder Einzelne denn nun tun kann, um an den Maßnahmen zur Gesundung unserer Wirtschaft mitzuwirken. Erstens geht es um Informationsverbreitung, zweitens um die theoretische Auseinandersetzung mit den entsprechenden Publikationen, drittens darum, selbst aktiv zu werden und solche Aktivitäten zu unterstützen, die man für sich ausgewählt hat. Ich habe zu diesem Zweck mal geschaut, ob unsere schöne Hansestadt Hamburg nun eigentlich auch am Regiogeld interessiert ist und entdeckte dabei die “Hansemark“, die sich noch im Aufbau befindet.
Nun habe ich bei Xing eine neue Gruppe angemeldet, um über das Thema Regionalwährung aufzuklären bzw. Bezugsquellen zu nennen und mit Leuten ins Gespräch zu kommen. Ich bin gespannt, ob man mir dort diese Gruppe genehmigt. Ziel ist es, Hamburger Unternehmern die Chancen und Möglichkeiten einer solchen Währung aufzuzeigen und zwar in ihrem ganz realen Geschäftsalltag. Was viele nicht wissen, ist, dass es längst Software-Lösungen gibt, die eine Umsetzung der regionalen Währung erleichtern und in kurzer Zeit möglich machen.
Gestern Abend saß auch Michael Hönnig (Informatiker und Java-Experte) mit am Tisch, der - als ich ins Impressum von “Hansemark” ging - dort auftauchte und ich erst einmal überrascht war, ihn gestern kennen gelernt zu haben und ihn heute im Netz genau dort zu entdecken. So findet sich zusammen, was vor achtundvierzig Stunden nur einen losen virtuellen Kontakt hatte: Ein Unternehmer, ein Wirtschaftsinformatiker und eine Grundeinkommensverfechterin. Jörg Buschbeck/Global Change und Inhaber von Buschbeck Solartechnik GmbH, der aus Augustusburg (in der Nähe von Chemnitz) angereist war und bereits fertige Aufkleber für die Entwertung von Gelscheinen aus einem Kästchen zauberte, brachte uns zum Lachen. Der Gag, einen Fünfzigeuroschein mit Verfallsdatum zu versehen, dürfte sicher beim Bezahlen für einige Aufmerksamkeit sorgen. Auch so kann man ins Gespräch kommen.
Für weitere Einzelheiten in Bezug auf die Wege aus der Finanzkrise reicht es heute nicht mehr. Das Thema ist aber ganz sicher noch einige Beiträge Wert.


13 Juni, 2010 um 07:50 Uhr
Ein paar Eindrücke zur in Dienstnahme des Banken- und Geldsystems zur massenhaften Enteignung (!) der privat Haushalte in den USA möchte ich an dieser Stelle gerne vermitteln. Neben dem Klappentext habe ich die Kapiteltitel sowie die Titel der extra Interviews etc. aufgelistet:
Kapitalismus: Eine Liebesgeschichte. Ein Film von Michael Moore 2009.
Michael Moores treffsichere Doku, die sich im Jahr nach dem großen Crash mit den Ursachen und Auswirkungen der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise beschäftigt, ist ab 8. April 2010 auf DVD erhältlich
http://www.concorde-home.de/concorde/index.php?StoryID=49&NewsID=35
Mit Humor und Empörung erkundet Michael Moores “Kapitalismus: Eine Liebesgeschichte” ein Tabuthema: Welchen Preis zahlt Amerika für seine Liebe zum Kapitalismus? Vor vielen Jahren schien diese Liebe so unschuldig zu sein. Heutzutage allerdings gleicht der amerikanische Traum mehr einem Albtraum, in dem Familien den Preis mit ihren Jobs, ihrem Zuhause und ihren Ersparnissen zahlen. Michael Moore kehrt mit “Kapitalismus: Eine Liebesgeschichte” zu dem Thema zurück, das ihn in seiner gesamten Karriere beschäftigt und mit dem er vor 20 Jahren in “Roger & Me” seine Laufbahn eingeleitet hat: die katastrophalen Auswirkungen des desaströsen Verhaltens von Großunternehmen auf das Leben der Menschen. Vom mittleren Westen hinüber zu den Hallen der Macht in Washington bis zum weltweiten Finanzzentrum in Manhattan nimmt Michael Moore die Zuschauer mit zu den Menschen, deren Leben komplett auf den Kopf gestellt wurde und sucht dabei nicht nur in Washington, D.C. nach Erklärungen. Was er findet sind die nur allzu bekannten Symptome einer Liebesgeschichte auf Abwegen: Lügen, Missbrauch, Betrug … und 14.000 Arbeitsplätze, die jeden Tag gestrichen werden.
Ab Anfang April ist Michael Moores gewohnt bissig-unterhaltsame Kinofilm, der im Sommer 2009 auf dem Internationalen Filmfestival in Venedig seine fulminante Weltpremiere erlebte und als erste Dokumentation in der Geschichte des Festivals überhaupt ins Rennen um den Goldenen Löwen ging, auf DVD erhältlich.
Zusätzlich zum 122-minütigen Hauptfilm umfasst die DVD auch insgesamt circa neunzig Minuten Bonusmaterial, in dem das titelgebende Thema für alle an der Materie Interessierten in kurzen Statements weitergehend beleuchtet wird. Unter anderem setzt sich die Harvard-Professorin Elizabeth Warren mit der Frage, “Wie die Wall Street mit Mord davongekommen ist” auseinander, Chris Hedges, Pulitzer-Preisträger und Reporter bei der renommierten Tageszeitung New York Times kommt zum Thema “Kapitalismus: Der Killer” zu Wort, ein Kongressabgeordneter sowie ein Pastor erhalten die Gelegenheit, sich ausführlicher zu äußern, außerdem wird der These nachgegangen, was passiert wäre, wenn man 1979 auf Jimmy Carter gehört hätte, der den Gedanken einer Solidargemeinschaft in den Köpfen der Menschen verankern wollte und das Wohlergehen jedes Einzelnen als Ziel stärker in den Gesetzen des Landes und sogar der US-Verfassung verankern wollte.
Kapitel
1. Das alte Rom
2. Alles verloren
3. Was ist Kapitalismus
4. General Motors
5. Unterbezahlung
6. Toter-Bauer-Versicherung
7. Demokratie
8. Hypotheken
9. Börsencrash
10. Staatliche Finanzspritze
11. Das Volk wehrt sich
12. Streik
13. Reformvorschläge
14. Abspann
Ausführliche Interviews / Extras
1. Harvard-Professorin Elisabeth Warren, „Wie die Wall-Street ungestraft davongekommen ist“.
2. „Sorry Immobilienhaie und Banken – Ihr seid in Flint, Michigan erledigt.
3. U.S. Kongressabgeordneter Elijah Cummings wagt es das unaussprechliche auszusprechen.
4. Pulitzer-Preisträger und NY-Times-Reporter Chris Hedges über „Kapitalismus, der Killer“.
5. Pater Dick Preston, „Warum die Reichen sich keinen Platz im Himmel kaufen können“.
6. Was, wenn wir 1979 auf Jimmy Carter gehört hätten?
7. U.S.-Food-Philosoph Michael Pollan, Professor UC Berkeley („The Omnivore’s Dilemma) Über Menschen, die Lebensmittel ohne Gewinnstreben erzeugen: Community supported agriculture (csa), Deborah Walten, Owner Canvas Ranch (csa).
8. Gelebte Demokratie bei der Taxi-Union in Madison-Wisconsin.
9. Der Gedanke hinter einem arbeitnehmergeführten Unternehmen.
10. Hier eine Idee: Die „Volksbank“ von North Dakota.
11. „Miami-Max hat ein Haus für Dich“.
Agentur für NeueArbeit-
NeueKultur amSchlachtHof
Jörg Beger
Tullastraße 67
D-79108 Freiburg im Breisgau
14 Juni, 2010 um 12:26 Uhr
Hallo Jörg Beger,
danke für diese ausführlichen Infos. Über Film- und Literaturmaterial ist man immer dankbar. Michael Moore ist ja bekannt für seine provokativen Arbeiten. Ich bin gespannt, habe bisher noch nicht reingeschaut, werde das aber noch tun.