20. September 2010

Wenn etwas defekt ist, sollte man eventuell mal an Reparatur denken?

In unserem Wirtschaftssystem gibt es ganz offensichtlich einige Störungen. Ständig stehen Systeme vor dem Kollaps und müssen irgendwie mit Steuer-”Fantastillarden” gerettet werden. Alles wird immer bürokratischer, alles ist angeblich alternativlos und irgendwie wirkt aber alles auch immer kaputter. Wie sollten wir also damit umgehen?

Stellen Sie sich vor, Ihr Auto macht ganz komische Geräusche, weil ein Steuerzahnriemen verschlissen ist. Was würden Sie tun? Ignorieren? Stöpsel ins Ohr? Eine neue Schalldämmung über den Motor montieren? Ein neues Auto kaufen? Sich mit Ihrem Partner streiten, wer denn nun Schuld an dem Geräusch ist?

Nein, wir würden das Auto natürlich reparieren, den gestörten Zahnriemen schnellstmöglich tauschen, eh noch Folgeschäden auftreten.

Und genau dies sollten wir auch mit unserer Marktwirtschaft machen, einfach mal grundlegend reparieren statt mit irgendwelchen Kunstgriffen an den Folgen von Störungen herumzulaborieren. Zumal das alternative Modell der Planwirtschaft noch durch jeden Praxistest gefallen ist und so gar nicht überzeugen konnte.

Aber wie repariert man eine Marktwirtschaft? Na, genauso wie beim Auto - man sucht die Fehler und stellt Sie ab.

Marktwirtschaft ist im Vergleich zu einem hochkomplexen Auto ein sehr, sehr einfaches Prinzip, die Fehlersuche ist dort nicht wirklich schwierig und wir können Ihnen nicht sagen, warum man noch nicht auf die Idee der grundlegenden Reparatur gekommen ist. Also hier ist ein Vorschlag für das Vorgehen bei der Fehlersuche an einer Marktwirtschaft:

1. Grundfunktion der Marktwirtschaft verstehen - der Ausgleich von Angebot und Nachfrage erfolgt über einen freien Gleichgewichtspreis - über eine freie Preisbildung gleicht sich kurzeitiges Über- oder Unterangebot schnell aus. Das Konkurrenzparadoxum führt dazu, dass dies mit einem Optimum an Effizienz erfolgt.

2. mögliche und typische Störungen einer Marktwirtschaft

a. Mindestpreisstörung - der Gleichgewichtspreis liegt unter einem durch externe Faktoren vorgegebenen Mindestpreis.

Mindespreisstörung Beispiel1 Langzeit-Arbeitslosigkeit:
Während kurzfristige Arbeitslosigkeit bei Strukturumbrüchen in einer Marktwirtschaft in der Natur der Sache liegt, haben wir auch längerfristig vom Arbeitsmarkt ausgeschlossene Mitbürger. Dies hat seine Ursachen in faktischen Mindestlöhnen(Mindestpreise) durch bedingt gewährte Sozialleistungen. Wessen Marktwert dauerhaft unter diesen Mindestpreisen liegt ist dauerhaft arbeitslos. Und wer längere Zeit ohne Arbeit ist, verliert ständig an Marktwert seiner Arbeitskraft. Ein Teufelskreis aus einer Mindestpreisstörung. Diese Mindestpreisstörung ist ganz einfach dadurch abzustellen, dass Sozialleistungen nicht mehr bedingt gewährt werden - also jeder Bürger ein Grundeinkommen bekommt und seinen freien Marktwert dazu verdient.

Mindestpreisstörung - Beispiel2 Wirtschaftskrisen, Zwangsverschuldung des Staates
Auch die meisten sonstigen ökonomischen Probleme sind eine schlichte Marktstörung durch einen Mindestpreis im Markt der Märkte - dem Geld- und Kreditmarkt. Der Preis für den Verzicht auf Nachfrage, der Guthabenzins, kann nicht unter Null fallen. Deshalb löst sich das Problem von Unternachfrage nicht einfach automatisch im Markt.

b. Marktvermachtung - die Marktpreise liegen künstlich zu hoch - da ein Anbieter zu hohe Marktmacht erlangt hat.
Beispiel: ständig wachsende Marktvermachtungen durch Firmenaufkäufe und Schaffung künstlicher Markteintrittsbarrieren

c. Externalitäten - wichtige externe Effekte fließen nicht in die Preisbildung ein.
Beispiel: Naturverbrauch kostet erst mal nichts

Dies als erster Einstieg in unseren Grundansatz - Ursachen und Lösungen suchen, statt wegen der leider viel populäreren Schuldigensuche vor unlösbaren Problemen zu stehen. Man findet immer, was man intensiv sucht - Lösungen oder Schuldige.
Hier geht es also um die wirklichen Ursachen und Lösungen - einen Einstieg bietet auch unsere Film aus 2009.

unsere Anregungen in Filmform zum Thema

 

2. September 2010

Die Wirtschaft hat ein recht triviales Regelungs-Problem

Da die Ware nicht vom Himmel fällt, sondern vielmehr Zeit vergeht, muss alles wirtschaften vorfinanziert werden. Wirtschaften beginnt also kausal mit dieser
Vorfinanzierung. Im Zuge der Angebotserstellung, wird auch das Geld produziert.

Wir haben eine Geldproduktion, die Kreditvergabe = Zusatznachfrage*
Dann haben wir eine Geldvernichtung, die Kredittilgung = fehlende Nachfrage*
Und dann haben wir eine Geldblockierung = Guthabenausweitung = fehlende Nachfrage*

Solange die Zusatznachfrage über der fehlenden Nachfrage liegt, haben wir Übernachfrage = Inflation. Umgekehrt wäre es Deflation.

Nur für die Inflation haben wir ein Steuerelement, den heute kausal positiven Zins als Nachfrageverzichtsprämie. Für die Deflation(Unternachfrage) haben wir derzeit kein geregeltes Steuerelement, weshalb das System im Deflationsfall in einer positiven Rückkopplung aus einbrechender Kreditvergabe und Angstsparen kollabiert.
Beides hat ja mit Vertrauen zu tun, dass man zu einem Auto ohne Bremse nun mal nicht haben kann.

1. Wir haben also nur ein wirklich gravierendes wirtschaftliches Problem, das fehlende Steuerelement für die Deflation. Diese fehlende „Absturz-Bremse“ sollten wir gelegentlich mal nachrüsten, dann könnte das Pillepallefach Volkswirtschaft in die Grundschule verlegt werden, da alle nachgelagerten Probleme damit auch verschwinden.

*jeweils innerhalb der betrachteten Periode

 

19. August 2010

Konzepte mit “verbessertem Bewusstsein” - Nein, dass ist einfach nur Mist

Als Weltverbesserer wird man ja immer mal so von anderen Weltverbesserern angequatscht:
“He Du, schau mal, mein Konzept ist doch auch nicht schlecht.”

Leider kann ich dies in der Regel nicht bestätigen, :-) weil die ganzen anderen Weltverbesserer immer das menschliche Bewusstsein verbessern wollen. Das Bewusstsein der Menschheit muss sich wandeln, bla, bla, bla. Es soll ohne Markt oder ohne Schuld mit Zetteln
gewirtschaftet werden, das NEUE BEWUSSTSEIN” macht es möglich.

Meine etwas unterentwickelte emotionale Intelligenz (Fähigkeit zu taktischen Lügen und die Realität auszublenden :-) ) lässt mich da noch nicht mal taktisches Schweigen bewahren - nein, es ist n.m.E. wieder an der Zeit, sich wieder mal richtig zum Thema auszulassen:

Die Idee des verbesserten Bewusstseins ist schlicht und ergreifend faschistisch - und wer diese Aussage skandalös findet, den bitte ich die Empirie dieser Idee zu beachten. Da ich schon gut 20 Jahre an Großversuchen zu solchen “Verbesserung des Bewusstseins” teilnehmen durfte und wichtige Familienmitglieder (Großväter) nicht persönlich kenne, weil auch Sie in Zeiten von intensiver “Bewusstseinsverbesserungen” lebten, wächst mir schon bei dem Wort “Bewusstseinswandel” eine Feder aus dem Hut.
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29. Juli 2010

Kann es bei negativer Kapitalrendite noch Fortschritt geben?

0% wird von vielen als natürliche Untergrenze für volkswirtschaftliche Kapitalrendite angesehen. Und daraus resultiert dann auch der Glaube, auch beim Geld würde mittelfristig eine Untergrenze von 0% völlig ausreichen. Doch ist die Annahme einer immer positiven volkswirtschaftlichen Kapitalrendite überhaupt korrekt?

Sicher ist, wer im heutigen Geldsystem mit einer Realkapitalinvestition nur -6% (minus!) erreichen würde, würde wohl lieber im Geld bleiben. Für das Folgende nehmen wir aber mal an, die Geldbasis (für Nichtbanken ist das das Bargeld) läge bei z.B. -6%, im Geld bleiben sei also keine Alternative. Würde unter solchen Umständen auch die Realkapitalinvestition ausbleiben, wenn hier im volkswirtschaftlichen Durchschnitt z.B. nur -2% (ja, immer noch minus!) erreichbar wären?

Vordergründig könnte man argumentieren: Wenn ich doch nur jedes Jahr 2% meines Kapitals verliere, dann würde ich es doch gar nicht anlegen, sondern lieber verkonsumieren und somit 100% davon haben. Die Alternative von Geld hatten wir ja bereits ausgeschlossen - der Verlust wäre noch größer. Und auch eine Geldanlage (Kreditvergabe) wäre unter diesen Umständen nicht höher verzinst, denn dass die Realkapitalinvestition negativ ist würde ja auch im Schnitt für die potentiellen Kreditnehmer gelten - es gäbe also keine, die (risikobereinigt) für positive Zinsen Kredti nehmen würden. Und ohne Kreditnehmer auch keine Geldanlage (Aktien u.ä. zählen in diesem Zusammenhang als Realkapitalinvestition).

Doch volkswirtschaftliche Durchschitte gelten nicht für jeden. Auch unter solchen Umständen würden einzelne immer noch positive Renditen einfahren - andere dafür noch tiefer negative. Und hätten nicht viele die Hoffnung, zu diesen Gewinnern zu gehören? Würden also trotzdem investieren?

Nun, genau das geschieht bereits. Nehmen wir z.B. eBook-Reader, diese zu entwickeln, insbesondere das sogenannte elektronische Papier (bei Tageslicht wie bedrucktes Papier lesbare elektronische Displays) war ein immenser Forschungsaufwand. Ebenso, diese in die Massenproduktion zu bringen. Doch dann kam schon der nächste: Apple mit seinem iPad. Zwar mit LCD-Display, aber ansonsten ein wesentlich komfortableres und vielfältigeres eBook-Lesegerät. Die Folge beschreibt der Artikel Will Tablets Close the Book on e-Readers?: Der Preis der eBook-Lesegeräte fällt dramatisch. Leicht kann so ein Wettbewerber eine positive Rendite, die anderen aber eine tief negative Rendiete erreichen. Und dafür dass der Durchschnitt positiv bleibt, gibt es keinerlei Grundlage. Dennoch funktioniert der Wettbewerb und der technische Fortschritt geht in großen Schritten weiter.

Es gibt noch ein anderes Argument: Praktisch jeder Mensch, der über Kapital verfügt, möchte Kapital in die Zeit seines Altersruhestandes transferieren. Mit anderen Worten: Das Kapital heute zu verkonsumieren, ist überhaupt keine echte Alternative, auch nicht bei negativen Realzinssätzen. Es ist nur eine Scheinalternative, geschaffen durch ein höchst ungerechtes und unsoziales Geldsystem, nämlich ein Geldsystem welches negative Finanzkapitalrenditen allenfalls kurzfristig zulässt, mittelfristig aber immer positive Finanzkapitalrenditen garantiert dafür aber langfristig immer kollabieren muss.

 

9. Juli 2010

Schwächere Inflationsrate: Wirklich eine gute Nachricht?

Wie z.B. die Welt heute meldet, hat sich die Inflationsrate wieder abgeschwächt. Viele werden das als gute Nachricht aufnehmen, doch ist sie das wirklich?

Eine geringe Inflationsrate bedeutet einen relativ hohen Realzins auf Geldbasis (für Nichtbanken also Bargeld). Für eine gesunde zeitliche Zinsstruktur müssten langfristige Guthabenzinsen mindestens 4% höher liegen, also in diesem Fall bei einem Realzins von ca. 3,1%. Je geringer dieser Abstand aber ausfällt, desto stärker ist die Neigung zu kurzfristigen Geldanlagen oder gar zum Bargeld (bzw. bei Geschäftsbanken zu Zentralbankguthaben).

Da Realinvestitionen aber mit einem noch höheren Risiko verbunden sind, z.B. weitere 4%, würden nur noch Investitionen mit einer Renditeerwartung von deutlich über 7% durchgeführt werden. Alle anderen Investitionen werden bei ordentlicher Kalkulation unterbleiben und die damit verbundenen Arbeitsplätze nicht entstehen bzw. bei nötigen Folgeinvestitionen wegfallen.

Eine zu geringe Inflationsrate fördert also den Druck auf den Arbeitsmarkt (siehe auch (1)). Wenn nicht in Form von Arbeitslosigkeit, dann in Form niedrigerer Löhne. Denn auch diese sind - wie Zinsen - Kosten. Und nur mit niedrigeren Löhnen könnte also ein Ausgleich geschaffen werden. Oder natürlich, der Staat füllt die Lücke und investiert auf Pump, was natürlich mit einer steigenden Staatsverschuldung einhergehen würde - welche unsere Bundesregierung nun gerade explizit (Schuldenbremse) verhindern will. Wer realisiert aber realisiert diese Zusammenhänge?

Ein völlig anderes Thema ist, wie heutzutage Inflation “gemacht” wird, nämlich auch durch Neuverschuldung. Haben wir also die Wahl zwischen Teufel und Beezlebub? Nein, es gibt noch andere Wege, doch diese erfordern ein neues Denken (2).

(1: Mir scheint, daß das Deutsche Volk – zugespitzt – 5% Preisanstieg eher vertragen kann, als 5% Arbeitslosigkeit.” - Helmut Schmidt in Süddeutsche Zeitung, 28. Juli 1972, S. 8)

(2: Das Zitat Probleme kann man niemals mit derselben Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind. wird gemeinhin Albert Einstein zugeschrieben)

 

28. Juni 2010

Arbeitsmarktgleichgewicht in Abhängigkeit vom Sozialsystem

Michael Hönnig

Die neoklassische Theorie der Volkswirtschaftslehre geht davon aus, dass der Arbeitsmarkt wie der Gütermarkt funktioniert und es insbesondere immer genau einen Gleichgewichtszustand gibt. Schon Keynes führte zwar die Nominallohnstarrheit ein, was nach heutiger Interpretation zu Verzögerungen bei der Marktgleichgewichtsfindung führt, und zeigte auf, dass bedingt durch unser Geldsystem eine strukturelle Arbeitslosigkeit entsteht, behielt aber den wesentlichen Zusammenhang zwischen Arbeitsangebot und Arbeitsnachfrage bei. Dieser Artikel zeigt, dass das Vorhandensein eines Gleichgewichtszustands aber abhängig vom Sozialsystem ist und dabei ein bedingungsloses Grundeinkommen den Arbeitsmarkt dem neoklassischen Markt am nächsten bringt.

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16. Juni 2010

99% der Menschen fragen zu oft “WER” - fragt bitte mehr “WARUM”,

damit wir es lernen, unsere sachlichen Probleme ruhig auch mal zu lösen
- für notorische Wer-Frager :-) hier der Film über die Gründer (März 2009)

Hier geht es zum Global-Change Film aus 2009

 

12. Juni 2010

DER Systemfehler: “Schulden haben einen Rückzahltermin - Guthaben nicht”

die Gesellschaft der Schuldscheinsammler kann Ihre Probleme kaum länger verdrängen
mit der “Relativitätstheorie des Gewinns” aus der ökonomischen und ökologischen Krise,
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1. Juni 2010

Diskussionskultur bei Geldsystemkritik

Das Verständnis vom Geldsystem ist voll von unterschiedlichen Begriffsvorstellungen. Begriffe, die im Gemeinwortschatze die eine Bedeutung haben, haben z.B. im Fachwortschaft i.d.R. eine teilweise völlig andere oder viel exaktere und eingeschränkte Bedeutung. Dazu kommen noch verschiedene Fachbereiche (teils sogar VLW vs. BWL), welche wiederum Begriffe leicht unterschiedlich definieren Dazu kommen viele Missverständnisse rund ums Geld. Nicht aus Dummheit, sondern meist, weil man einfach selbst noch gar nicht wirklich darüber nachgedacht hat, sondern nur unreflektiert etwas aufgeschnappt hat.

Wenn man auf dieser Basis nun in einen Dialog eintritt, z.B. einen Blog-Artikel kritisch kommentiert, ist fast jeder geneigt, alle z.B. 10 Stellen, die man für falsch hält, gleichzeitig zu kritisieren. Was aber, wenn 9 davon nur aufgrund eines einzige Missverständnisses (z.B. unterschiedliche Begriffsdefinitonen) zustande kommen? Da das zugrunde liegende Missverständnis nicht bekannt ist, wird die Kritik so aufgebaut sein, dass der Gegenseite praktisch nur übrig bleibt, auf alle 10 Einzelkritiken einzeln zu antworten, vielleicht jeweils mit einer anderen Formulierung und einem Beispiel  Das Missverständnis wird aber nicht geklärt werden und im schlimmsten Fall redet man in der nächsten über 20 Meinungsverschiedenheiten, dann über 40 usw.

Daher mein Vorschlag für solche Diskussionen: Immer nur den wichtigsten Kritikpunkt herausgreifen, vielleicht auch die wichtigsten drei, und erst wenn diese geklärt sind zum nächsten gehen. In den allermeisten Fällen wird dieser sich dann nämlich schon von selbst erledigt haben. Danke!

 

28. Mai 2010

WARUM wir mit “Wertewachstum” aus der Krise kommen

weil wir Sachwerte im Gegensatz zu Guthaben nahezu unbegrenzt vermehren können
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