2. September 2010

Die Wirtschaft hat ein recht triviales Regelungs-Problem

Da die Ware nicht vom Himmel fällt, sondern vielmehr Zeit vergeht, muss alles wirtschaften vorfinanziert werden. Wirtschaften beginnt also kausal mit dieser
Vorfinanzierung. Im Zuge der Angebotserstellung, wird auch das Geld produziert.

Wir haben eine Geldproduktion, die Kreditvergabe = Zusatznachfrage*
Dann haben wir eine Geldvernichtung, die Kredittilgung = fehlende Nachfrage*
Und dann haben wir eine Geldblockierung = Guthabenausweitung = fehlende Nachfrage*

Solange die Zusatznachfrage über der fehlenden Nachfrage liegt, haben wir Übernachfrage = Inflation. Umgekehrt wäre es Deflation.

Nur für die Inflation haben wir ein Steuerelement, den heute kausal positiven Zins als Nachfragverzichtsprämie. Für die Deflation(Unternachfrage) haben wir derzeit kein geregeltes Steuerelement, weshalb das System im Deflationsfall in einer positiven Rückkopplung aus einbrechender Kreditvergabe und Angstsparen kollabiert.
Beides hat ja mit Vertrauen zu tun, dass man zu einem Auto ohne Bremse nun mal nicht haben kann.

1. Wir haben also nur ein wirklich gravierendes wirtschaftliches Problem, das fehlende Steuerelement für die Deflation. Diese fehlende „Absturz-Bremse“ sollten wir gelegentlich mal nachrüsten, dann könnte das Pillepallefach Volkswirtschaft in die Grundschule verlegt werden, da alle nachgelagerten Probleme damit auch verschwinden.

*jeweils innerhalb der betrachteten Periode

 

19. August 2010

Konzepte mit “verbessertem Bewusstsein” - Nein, dass ist einfach nur Mist

Als Weltverbesserer wird man ja immer mal so von anderen Weltverbesserern angequatscht:
“He Du, schau mal, mein Konzept ist doch auch nicht schlecht.”

Leider kann ich dies in der Regel nicht bestätigen, :-) weil die ganzen anderen Weltverbesserer immer das menschliche Bewusstsein verbessern wollen. Das Bewusstsein der Menschheit muss sich wandeln, bla,bla,bla. Es soll ohne Markt oder ohne Schuld mit Zetteln
gewirtschaftet werden, das NEUE BEWUSSTSEIN” macht es möglich.

Meine völlig unterentwickelte emotionale Intelligenz (Fähigkeit zu taktischen Lügen und die Realität auszublenden :-) ) lässt mich da noch nicht mal taktisches Schweigen bewahren - nein, es ist n.m.E. wieder an der Zeit, sich wieder mal richtig zum Thema auszulassen:

Die Idee des verbesserten Bewusstseins ist schlicht und ergreifend faschistisch - und wer diese Aussage skandalös findet, den bitte ich die Empirie dieser Idee zu beachten. Da ich schon gut 20 Jahre an Großversuchen zu solchen “Verbesserung des Bewusstseins” teilnehmen durfte und wichtige Familienmitglieder (Großväter) nicht persönlich kenne, weil auch Sie in Zeiten von intensiver “Bewusstseinsverbesserungen” lebten, wächst mir schon bei dem Wort “Bewusstseinswandel” eine Feder aus dem Hut.
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29. Juli 2010

Kann es bei negativer Kapitalrendite noch Fortschritt geben?

0% wird von vielen als natürliche Untergrenze für volkswirtschaftliche Kapitalrendite angesehen. Und daraus resultiert dann auch der Glaube, auch beim Geld würde mittelfristig eine Untergrenze von 0% völlig ausreichen. Doch ist die Annahme einer immer positiven volkswirtschaftlichen Kapitalrendite überhaupt korrekt?

Sicher ist, wer im heutigen Geldsystem mit einer Realkapitalinvestition nur -6% (minus!) erreichen würde, würde wohl lieber im Geld bleiben. Für das Folgende nehmen wir aber mal an, die Geldbasis (für Nichtbanken ist das das Bargeld) läge bei z.B. -6%, im Geld bleiben sei also keine Alternative. Würde unter solchen Umständen auch die Realkapitalinvestition ausbleiben, wenn hier im volkswirtschaftlichen Durchschnitt z.B. nur -2% (ja, immer noch minus!) erreichbar wären?

Vordergründig könnte man argumentieren: Wenn ich doch nur jedes Jahr 2% meines Kapitals verliere, dann würde ich es doch gar nicht anlegen, sondern lieber verkonsumieren und somit 100% davon haben. Die Alternative von Geld hatten wir ja bereits ausgeschlossen - der Verlust wäre noch größer. Und auch eine Geldanlage (Kreditvergabe) wäre unter diesen Umständen nicht höher verzinst, denn dass die Realkapitalinvestition negativ ist würde ja auch im Schnitt für die potentiellen Kreditnehmer gelten - es gäbe also keine, die (risikobereinigt) für positive Zinsen Kredti nehmen würden. Und ohne Kreditnehmer auch keine Geldanlage (Aktien u.ä. zählen in diesem Zusammenhang als Realkapitalinvestition).

Doch volkswirtschaftliche Durchschitte gelten nicht für jeden. Auch unter solchen Umständen würden einzelne immer noch positive Renditen einfahren - andere dafür noch tiefer negative. Und hätten nicht viele die Hoffnung, zu diesen Gewinnern zu gehören? Würden also trotzdem investieren?

Nun, genau das geschieht bereits. Nehmen wir z.B. eBook-Reader, diese zu entwickeln, insbesondere das sogenannte elektronische Papier (bei Tageslicht wie bedrucktes Papier lesbare elektronische Displays) war ein immenser Forschungsaufwand. Ebenso, diese in die Massenproduktion zu bringen. Doch dann kam schon der nächste: Apple mit seinem iPad. Zwar mit LCD-Display, aber ansonsten ein wesentlich komfortableres und vielfältigeres eBook-Lesegerät. Die Folge beschreibt der Artikel Will Tablets Close the Book on e-Readers?: Der Preis der eBook-Lesegeräte fällt dramatisch. Leicht kann so ein Wettbewerber eine positive Rendite, die anderen aber eine tief negative Rendiete erreichen. Und dafür dass der Durchschnitt positiv bleibt, gibt es keinerlei Grundlage. Dennoch funktioniert der Wettbewerb und der technische Fortschritt geht in großen Schritten weiter.

Es gibt noch ein anderes Argument: Praktisch jeder Mensch, der über Kapital verfügt, möchte Kapital in die Zeit seines Altersruhestandes transferieren. Mit anderen Worten: Das Kapital heute zu verkonsumieren, ist überhaupt keine echte Alternative, auch nicht bei negativen Realzinssätzen. Es ist nur eine Scheinalternative, geschaffen durch ein höchst ungerechtes und unsoziales Geldsystem, nämlich ein Geldsystem welches negative Finanzkapitalrenditen allenfalls kurzfristig zulässt, mittelfristig aber immer positive Finanzkapitalrenditen garantiert dafür aber langfristig immer kollabieren muss.

 

9. Juli 2010

Schwächere Inflationsrate: Wirklich eine gute Nachricht?

Wie z.B. die Welt heute meldet, hat sich die Inflationsrate wieder abgeschwächt. Viele werden das als gute Nachricht aufnehmen, doch ist sie das wirklich?

Eine geringe Inflationsrate bedeutet einen relativ hohen Realzins auf Geldbasis (für Nichtbanken also Bargeld). Für eine gesunde zeitliche Zinsstruktur müssten langfristige Guthabenzinsen mindestens 4% höher liegen, also in diesem Fall bei einem Realzins von ca. 3,1%. Je geringer dieser Abstand aber ausfällt, desto stärker ist die Neigung zu kurzfristigen Geldanlagen oder gar zum Bargeld (bzw. bei Geschäftsbanken zu Zentralbankguthaben).

Da Realinvestitionen aber mit einem noch höheren Risiko verbunden sind, z.B. weitere 4%, würden nur noch Investitionen mit einer Renditeerwartung von deutlich über 7% durchgeführt werden. Alle anderen Investitionen werden bei ordentlicher Kalkulation unterbleiben und die damit verbundenen Arbeitsplätze nicht entstehen bzw. bei nötigen Folgeinvestitionen wegfallen.

Eine zu geringe Inflationsrate fördert also den Druck auf den Arbeitsmarkt (siehe auch (1)). Wenn nicht in Form von Arbeitslosigkeit, dann in Form niedrigerer Löhne. Denn auch diese sind - wie Zinsen - Kosten. Und nur mit niedrigeren Löhnen könnte also ein Ausgleich geschaffen werden. Oder natürlich, der Staat füllt die Lücke und investiert auf Pump, was natürlich mit einer steigenden Staatsverschuldung einhergehen würde - welche unsere Bundesregierung nun gerade explizit (Schuldenbremse) verhindern will. Wer realisiert aber realisiert diese Zusammenhänge?

Ein völlig anderes Thema ist, wie heutzutage Inflation “gemacht” wird, nämlich auch durch Neuverschuldung. Haben wir also die Wahl zwischen Teufel und Beezlebub? Nein, es gibt noch andere Wege, doch diese erfordern ein neues Denken (2).

(1: Mir scheint, daß das Deutsche Volk – zugespitzt – 5% Preisanstieg eher vertragen kann, als 5% Arbeitslosigkeit.” - Helmut Schmidt in Süddeutsche Zeitung, 28. Juli 1972, S. 8)

(2: Das Zitat Probleme kann man niemals mit derselben Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind. wird gemeinhin Albert Einstein zugeschrieben)

 

28. Juni 2010

Arbeitsmarktgleichgewicht in Abhängigkeit vom Sozialsystem

Michael Hönnig

Die neoklassische Theorie der Volkswirtschaftslehre geht davon aus, dass der Arbeitsmarkt wie der Gütermarkt funktioniert und es insbesondere immer genau einen Gleichgewichtszustand gibt. Schon Keynes führte zwar die Nominallohnstarrheit ein, was nach heutiger Interpretation zu Verzögerungen bei der Marktgleichgewichtsfindung führt, und zeigte auf, dass bedingt durch unser Geldsystem eine strukturelle Arbeitslosigkeit entsteht, behielt aber den wesentlichen Zusammenhang zwischen Arbeitsangebot und Arbeitsnachfrage bei. Dieser Artikel zeigt, dass das Vorhandensein eines Gleichgewichtszustands aber abhängig vom Sozialsystem ist und dabei ein bedingungsloses Grundeinkommen den Arbeitsmarkt dem neoklassischen Markt am nächsten bringt.

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12. Juni 2010

DER Systemfehler: “Schulden haben einen Rückzahltermin - Guthaben nicht”

die Gesellschaft der Schuldscheinsammler kann Ihre Probleme kaum länger verdrängen
mit der “Relativitätstheorie des Gewinns” aus der ökonomischen und ökologischen Krise,
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1. Juni 2010

Diskussionskultur bei Geldsystemkritik

Das Verständnis vom Geldsystem ist voll von unterschiedlichen Begriffsvorstellungen. Begriffe, die im Gemeinwortschatze die eine Bedeutung haben, haben z.B. im Fachwortschaft i.d.R. eine teilweise völlig andere oder viel exaktere und eingeschränkte Bedeutung. Dazu kommen noch verschiedene Fachbereiche (teils sogar VLW vs. BWL), welche wiederum Begriffe leicht unterschiedlich definieren Dazu kommen viele Missverständnisse rund ums Geld. Nicht aus Dummheit, sondern meist, weil man einfach selbst noch gar nicht wirklich darüber nachgedacht hat, sondern nur unreflektiert etwas aufgeschnappt hat.

Wenn man auf dieser Basis nun in einen Dialog eintritt, z.B. einen Blog-Artikel kritisch kommentiert, ist fast jeder geneigt, alle z.B. 10 Stellen, die man für falsch hält, gleichzeitig zu kritisieren. Was aber, wenn 9 davon nur aufgrund eines einzige Missverständnisses (z.B. unterschiedliche Begriffsdefinitonen) zustande kommen? Da das zugrunde liegende Missverständnis nicht bekannt ist, wird die Kritik so aufgebaut sein, dass der Gegenseite praktisch nur übrig bleibt, auf alle 10 Einzelkritiken einzeln zu antworten, vielleicht jeweils mit einer anderen Formulierung und einem Beispiel  Das Missverständnis wird aber nicht geklärt werden und im schlimmsten Fall redet man in der nächsten über 20 Meinungsverschiedenheiten, dann über 40 usw.

Daher mein Vorschlag für solche Diskussionen: Immer nur den wichtigsten Kritikpunkt herausgreifen, vielleicht auch die wichtigsten drei, und erst wenn diese geklärt sind zum nächsten gehen. In den allermeisten Fällen wird dieser sich dann nämlich schon von selbst erledigt haben. Danke!

 

11. Mai 2010

Die Geldschöpfung der Geschäftsbanken

Um die Geldschöpfung der Banken - und insbesondere der Geschäftsbanken - kreisen die wildesten Vorstellungen. Bei einigen Autoren klingt es gerade zu so, als könnten die Geschäftsbanken Geld aus dem Nichts erzeugen und für dieses Geld Zinsen kassieren, also als könnten sie Kapital schöpfen. Im Kern liegt diesem Irrtum der Denkfehler #1 zugrunde, über den ich vor einigen Tagen schrieb: Die Verwechslung von Kapital und Liquidität.

Denn Geldschöpfung ist nichts weiter als die Hereinnahme uneinheitlicher, längerfristiger Schuldtitel bei gleichzeitiger Herausgabe einheitlicher kurzfristiger Schuldtitel. Und beide dokumentieren keine Dinge, sondern Beziehungen. Aus welchen Schritten die Geldschöpfung im einzelnen besteht, ist in diesem Dokument beschrieben:

mehr … (PDF)

 

6. Mai 2010

Ramsch-Anleihen als Sicherheit für EZB-Kredite

Wie unter anderem die Süddeutsche Zeitung in den letzten Tagen meldete, werden nun auch die praktisch wertlosen griechischen Anleihen als Sicherheit für Zentralbankgeld angenommen.

Das ist vergleichbar damit, dass ich beim Finanzamt meine Steuern mit einigen Schuldtiteln gegen Kunden bezahlen könnte, aus deren Insolvenzmasse aber die auf meinen Rechnungen genannten Summen nie gezahlt werden können. Das Finanzamt aber ist schlauer als die EZB, denn das Finanzamt lässt sich auf so einen “Kuhhandel” (leider) nicht ein.

Ab jetzt könnte man tatsächlich von der Geldschöpfung aus dem Nichts reden, ja sogar fast von der Finanzkapitalschöpfung aus dem Nichts. Aber natürlich gilt das nur für die Geschäftsbank, die dieses Geschäft macht. Im gleichen Zuge nimmt mittelfristig das Kapital aller anderen an Wert ab. Denn es wird nichts wirklich geschöpft, sondern nur umverteilt.

Insofern ist es auch eine völlig andere Situation als viele Geldsystemkritiker (z.B. Prof. Senf und Prof. Huber) als Ursache der Krise sehen. Die Geldschöpfung aus dem Nichts ist eine Folge der Krise, nicht deren Ursache.

 

6. Mai 2010

Geld-Denkfehler #1: Verwechslung von Kapital und Liquidität

Gerade wer erst anfängt, über Geld an sich und das Geldsystem nachzudenken, gerät oft in Denkfallen. Eine dieser Denkfallen ist die Verwechslung von Kapital und Liquidität, der viele Geldsystemkritiker aufsitzen. Aber auch Politiker und sogar Wirtschaftswissenschaftler gehen im Alltagsleben manches mal etwas leichtfertig mit den Begriffen um.

Beliebt ist z.B. die Mär von der Geldschöpfung der Geschäftsbanken, dass diese angeblich bei 2% Mindestreserve das 50-fache der Einlagen an Kredit vergeben können und auf dieses selbst geschöpfte Geld Zinsen kassieren könnten. Wäre dem so, hätte es wohl kaum eine Bankenkrise gegeben - auch nicht, weil angeblich diese Gewinne durch Dividendenzahungen längst an die Aktionäre ausgezahlt seien. (Erstens reichen die Dividendenzahlungen dafür bei weitem nicht aus. Und wohin sind dann diese Dividendenzahlungen, wenn nicht wieder als Einlagen bei den Banken?)

Grund für den Irrtum mit dem o.g. Geldschöpfungsmultiplikator ist eben die Verwechslung von Liquidität und Kapital. Liquidität kann von Geschäftsbanken geschöpft werden - aber eben nicht Geldbasis- (Euro-) Liquidität, sondern nur in Form Geschäftsbank-eigener Schuldtitel. Giroguthaben der Kunden sind solche. Verwirrend ist natürlich, dass auch diese in der Einheit Euro bemessen werden. Der Unterschied wird deutlich wenn eine Bank insolvent ist: Ein Giroguthaben von 10.000 Euro bei einer insolventen Bank (den Einlagensicherungsfonds mal außen vor) ist eben nicht 10.000 Euro wert, sondern wenn man Pech hat nichts mehr wert.

Bei der Geldschöpfung entstehen immer zwei Schulden-Guthaben-Paare, die sich kapitalmäßig ausgleichen. D.h. Geldschöpfung schafft kein neues Kapital. Und nur auf Kapital erhält man Zinsen, nicht aber auf Liquidität. Doch die Geldschöpfung selbst, ist ein so großes Thema, dass ich das an anderer Stelle ausführen möchte.

Die Verwechslung von Kapital und Liquidität taucht noch in anderen Zusammenhängen auf. Geldsystemkritik ist mehr als berechtigt, aber immer wenn jemand das Geldsystem kritisiert, sollte man akribisch darauf achten, ob die konkrete Argumentation nicht an irgendeiner Stelle eben dieser Verwechslung unterliegt. Das ist wie ein mathematischer Beweis, an dem an einer Stelle versteckt durch Null geteilt wird. Damit kann man sogar 1=2 beweisen.