8. September 2011

Die Kredittilgungen und das wirtschaftliche Gleichgewicht

Ein wirtschaftliches Gleichgewicht besteht in einer Periode, wenn die Pläne für Einnahmeüberschüsse mit den Plänen für Ausgabeüberschüsse übereinstimmen.

Pläne für Ausgabeüberschüsse sind Verschuldungspläne, man plant mehr auszugeben als einzunehmen

Pläne für Einnahmeüberschüsse sind Geld-Sparpläne, man plant mehr einzunehmen als auszugeben

Dies dürfte auch den meisten Fachleuten klar sein, was aber oft vergessen wird, die Kredittilgungen sind aus Vorperioden determinierte Einnahmeüberschüsse der Kreditnehmer. Und daraus ergibt sich nun wieder die Dimension des Neuverschuldungsbedarfs. Wenn wir in Deutschland so ca. 12% des BIP private Kredittilgungen haben, ergibt dies mit ca. 8% vom BIP Plänen für Geldvermögensbildung zusammen also ca. 20% = ca. 500Mrd.€! vom BIP freiwilligen Neuschuldnerbedarf bzw. Neuverschuldungsbedarf für wirtschaftliches Gleichgewicht. Werden diese „Freiwilligen Neuschuldner“ nicht mehr gefunden, investieren die Unternehmer unfreiwillig in ihren Lagerbestand. Danach streichen Sie die Investitionen und damit ihre eigenen freiwilligen Ausgabeüberschüsse. Die Kettenreaktion der Unternachfrage kommt zusätzlich auch über nun einsetzendes Angstsparen der Nichtunternehmer (zusätzliche Einnahmeüberschüsse) in Gang.

Genau diese Vorgänge werden wir als großen Crash in den nächsten Jahre global erleben. Wenn denn nicht noch ein Wunder passiert und wir lieber neue Konzepte für eine makro-ökonomische Feinsteuerung und eine Begrenzung der privaten Einnahmeüberschüsse installieren.

 

28. September 2010

erst kommt der Kredit, dann das Sparen,

immer wieder wird dies in Wissenschaft, Medien und Politik mißachtet,

Kreditaufnahme ist die Zahlungsmittel-Produktion
und
Geld-Sparen und die Kredittilgung ist der Zahlungsmittel-Verbrauch.

Wird dies verwechselt, bedeutet dies, dass man völlig falsche Schlüsse aus Liquiditätsmangel in der Wirtschaft zieht. Natürlich kann ein einzelnes Wirtschaftssubjekt seine Lage durch Geld-Sparen verbessern, nur eben nicht alle zusammen. Siehe auch die Saldenmechanik zu diesen Zusammenhängen. Wenn also überall die Liquidität fehlt, gibt es entweder zuwenig “Neuschulden” oder zuviel “Neusparen” - oder beides.

Artikel zum Thema bei uns im Überfluss:
Informationen der Bundesbank zum Thema -hier
Zusammenfassung zum Geldsystem - hier

 

15. Mai 2010

die Bundesbank und Ihr Ex-Vorstand Prof. O.Issing informieren aus der Praxis,

unser Notenbankgeld und unser Geschäftsbankengeld ist fast zu 100% Kredit,

bedeutet Kreditaufnahme = Geldproduktion für die Geldverbraucher = Sparer

Diese Aussage bringt immer wieder ungläubiges Staunen hervor - selbst bei sogenannten Finanzexperten. Nun muss man dies einem gelernten Elektromonteur nicht glauben. Aber sollte man diesbezüglich an der Bundesbank zweifeln?

Hier geht es zur monetären Weiterbildung bei der Bundesbank - ab Seite 88 die Geldschöpfung bei Zentralbank und Geschäftsbank.

vertiefte Informationen zum Kreditcharakter von Zentralbankgeld und Geschäftsbankengeld findet man in diesem sehr empfehlenswerten Grundlagenbuch von Ihrem Ex-Vorstand Prof. Issing.

Das “Global Change Problem” der den Kreditbedarf übersteigenden Sparleistung beschreibt Prof. Issing hier

 

12. Mai 2010

Prof. Otmar Issing - Einführung in die Geldtheorie

Prof. Otmar Issing ist einer der renommiertesten Experten zum Thema Geld. Er war Vorstand bei der Bundesbank und der Europäischen Zentralbank. In seinem StandardwerkEinführung in die Geldtheorie erläutert er sowohl die Geldentstehung aus Kredit als auch – auf Seite 105 – das Problem der Nullzinsgrenze:

In Zeiten des konjunkturellen Abschwungs und extrem pessimistischer Erwartungen kann es folglich sein, dass es keinen positiven Zinssatz gibt, bei dem Angebot und Nachfrage nach Ersparnissen zum Ausgleich kommen. Das Sparen führt dann also zu einem teilweisen Nachfrageausfall, der Kreislauf gerät in einen Schrumpfungsprozess (siehe Abb. 21).

wie auch auf Seite 284 die Ursache im hortbaren Bargeld:

Die besonderen Schwierigkeiten für die Geldpolitik liegen darin, dass sie ihre Zinsen höchstens bis auf Null reduzieren kann (Null-Grenze) (siehe Abschnitt 11). Vorschläge, diese Grenze für den Nominalzins durch eine Art Steuer auf das Halten von Geld aufzuheben, sind kaum praktikabel…

Solange mit dem Bargeld ein liquides, risikoloses alternatives Aktivum zur Verfügung steht, kann der Nominalzins nicht unter Null sinken – die Anleger würden Aktiva mit negativer Verzinsung meiden und Bargeld halten.

Dabei ist es ganz einfach - man kann den Euro sogar nachrüsten!

 

12. März 2010

Sind unsere Sparguthaben und unser Wohlstand noch zu retten?

Die gute Nachricht zuerst:
Ja, aber wir müssen dafür etwas “recht Ungewöhnliches” tun.

Und dieses “Ungewöhnliche” muss politisch durchgesetzt werden - dazu müssen es die Menschen auch verstehen.

Es gibt leider bei vielen Menschen, unglaublicherweise auch bei vielen Ökonomen, wenig Grundverständnis der Wirtschaft und des Geldes - dieser Artikel will dazu erneut Anlauf nehmen:

zur Funktion der Marktwirtschaft:
Marktwirtschaft funktioniert nur im Gleichklang von Angebote und Nachfrage. Um Angebot und Nachfrage in Einklang zu bringen, braucht man die Gleichgewichts-Preise. Mit der Vorfinanzierung des Angebots durch die Unternehmer und den Staat entstehen gleichzeitig die Einkommen. Diese Einkommen müssen nun das Angebot kaufen, dann haben wir eine stabil funktionierende Wirtschaft.

Wie kann diese Marktwirtschaft überhaupt gestört werden?

Eine Wirtschaftskrise entsteht, wenn aus Einkommen mehr auf Nachfrage verzichtet wird, als Zusatznachfrage über Verschuldungswachstum entsteht.

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18. Februar 2010

Was ist Geld? Was ist eine Guthabenkrise?

„99 Prozent der Menschen sehen das Geldproblem nicht. Die Wissenschaft sieht es nicht, die Ökonomie sieht es nicht, sie erklärt es sogar als »nicht existent«.“
(der St. Galler Ökonomieprofessor Hans-Christoph Binswanger)

Der ehemalige Chefvolkswirt der Bundesbank und der Europäischen Zentralbank, Otmar Issing (1), definiert die Entstehung von Geld so (2): „Es gibt heute im allgemeinen zwei Produzenten von Geld, nämlich die Notenbank und die Kreditinstitute“.

Banken verleihen kein Geld - sondern Sie produzieren gleichzeitig Kreditforderungen und Geldguthaben (3).
Die Bank dokumentiert in ihrer Bilanz eine Forderung gegenüber einem Kreditnehmer. Sie “monetarisiert” dabei die Sicherheiten der Kreditnehmer. Es ist also keine Geldschöpfung “aus dem nichts” - sondern der Kreditnehmer verspricht und sichert zusammen mit dem Kapital der Bank eine spätere Leistung.

Der Vorgang lässt sich auch in einem Buchungssatz in Kaufmannssprache beschreiben:
„Forderung (gegenüber dem Kreditnehmer) an Sichtguthaben“

Da sie das auf den Konten ihrer Kunden macht, entsteht Geld, mit dem ein Kunde bezahlen kann.

Geld ist also kein “Ding” - sondern eine (hoffentlich) besicherte, umlauffähig gemachte Kreditforderung. Read the rest of this entry »

 

6. Februar 2010

Dr.Flassbeck spricht es erstmalig in der ARD aus

Staatsschulden explodieren, weil wir über unsere Verhältnisse sparen

Aber warum müssen Schulden – noch dazu Staatsschulden – überhaupt sein?

Darauf hat Heiner Flassbeck, Makroökonom bei der UNO in Genf, eine Antwort. Er erklärt den ökonomischen Zusammenhang folgendermaßen: „Solange die Bürger sparen, muss sich auch jemand verschulden.“

 

6. Februar 2010

Sparen wir uns aus Angst vor dem Tod zu Tode?

Die anal-erotische Finanzkrise
by weissgarnix on 13. Dezember 2008

Keynes haben wir gehört, Marx haben wir zu Wort kommen lassen, es ist an der Zeit ein drittes intellektuelles Großkaliber aus dem Stall zu holen, um der Finanzkrise auf die Schliche zu kommen. Der Bursche, um den es heute geht, ist allerdings kein Ökonom und kein Freizeitphilosoph, sondern einer, der im wahrsten Sinne des Wortes ins Innerste der Dinge vorgedrungen ist. Ihr ahnt es bereits, liebe Freunde: die Rede ist von Sigmund Freud.

Dass Freud in einem keynesianischen Blog mal zu Wort kommen würde, ist dabei kein Zufall. Keynes selbst war stark von Freud beeinflußt, ja man kann sagen, dass zwei zentrale Elemente seiner “General Theory”, nämlich die “Konsumneigung” und die “Liquiditätspräferenz” mehr oder weniger direkt aus Freud’scher Feder stammen.

weiter im WEISSGARNIX Blog

 

30. Januar 2010

Amerikas Guthabenuhren

hier lang

Geld ist die Guthabenseite eines Kredits - die Schulden die da gezeigt werden - sind 1:1 die Geld-Guthaben reicher Leute. Mit jedem Dollar,Euro,Yen neue Schulden entsteht auch neues Guthaben!

 

23. Juni 2009

Die Macht des Hortungsmonopols

… wurde erst im Oktober letzten Jahres sichtbar, als sich Bundeskanzlerin Merkel anschickte, es den Engländern gleichzutun und ein nicht einlösbares Versprechen machte: “Die Einlagen sind sicher.”

Wieso sie dazu gezwungen war, wird nun auch in der Presse debattiert. Dadurch, dass vermehrt Bargeld abgehoben worden wurde, standen so nach der Northern Rock in England auch die deutschen Banken vor der Gefahr eines “Banken-Runs”. Interessant ist auch die dortige Abstimmung. So glauben 78% nicht, dass der Finanzsektor die schlimmste Krise schon hinter sich hat.

Hier entlang zum Welt-Artikel.