6. April 2010

Macht Grundeinkommen abhängig?

Von Erika Reglin-Hormann

Warum polarisiert das Grundeinkommen?

Warum haben so viele Menschen eine spontan positive Idee davon und warum haben genauso viele eine Aversion? Die einen sehen darin vollkommen neue Möglichkeiten und Chancen. Die anderen fragen, ob der Mensch etwa in Abhängigkeit bleiben will. Eines der Argumente gegen ein BGE lautet, dass wir uns in eine neue Abhängigkeit begeben würden, wenn jeder ein Grundeinkommen als selbstverständlich und anspruchsberechtigt betrachtete.

Gehen wir der Sache etwas nach. Was ist damit gemeint? Wem gegenüber machte man sich abhängig? Bedingt eine Abhängigkeit nicht eine Schuldigkeit? Wem etwas gegeben wird, der schuldet etwas. Ist das eine allgemein anerkannte Wahrheit? Rührt daher der Spruch “nichts ist umsonst”? Gebiert Schenken Misstrauen? Und ist das BGE eine Schenkung? Wenn man es so verstünde, gäbe es widerum mehrere Möglichkeiten, zu reagieren. Entweder nehme ich das Geschenk dankend an, freue mich und mache damit, was mir sinnvoll scheint. Genauso gut kann ich misstrauisch werden und darüber spekulieren, was der Schenkende denn von mir im Gegenzug verlangt.  Im Falle des Grundeinkommens fehlte mir jedoch die natürliche Person, hier wäre es also die Gesellschaft.

Achtung: Sozial-Polizei!

Was ist mit sozialen Kontrollmechanismen?

In der Schweiz hat man eine interessante Entdeckung im Zusammenhang mit der politischen Wahlbeteiligung gemacht.

Read the rest of this entry »

 

31. März 2010

Willkommen in der Arena!

Von Erika Reglin-Hormann

In der BGE-Debatte gibt es zwei Hauptschauplätze. Erstens: wie soll es bezahlt werden? Zweitens: Wer wird dann überhaupt noch arbeiten wollen? Darüber wird sich heiß diskutiert. Menschen, die für ein BGE sind, versuchen, Aufklärungsarbeit zu betreiben. Auch im Internet. Und so kämpft man um das gute Menschenbild. Und will erklären, dass ein BGE entgegen aller Unkenrufe zu finanzieren ist. Was macht das Ganze so aufreibend?

Wo immer ein BGE diskutiert wird, kann man etwas beobachten: je mehr sich dagegen ausgesprochen wird, umso mehr ist festzustellen, dass sich die BGE-Wehrhaften zu allererst als Opfer empfinden. Read the rest of this entry »

 

15. März 2010

Wohlstand auf dem Lebenskonto - Übelstand im Kopf

von Erika Reglin-Hormann

Zwei bis drei Jahrzehnte im Job – was sagen solche Leute zum Grundeinkommen?

Eine sehr subjektive Erfahrung kann man dort machen, wo Künstler, Dozenten, Berater oder sonstwie relativ bescheidenem Erwerb Nachgehende auf Artgenossen treffen, die ebenfalls selbstständig sind.

Während der Kunstmaler oder wenig bekannte Schriftsteller – allein schon historisch – daran gewöhnt ist, mit seiner Art der Arbeit nicht unbedingt finanzielle Riesensprünge machen zu können, müssen sich beispielsweise Ärzte mit eigener Praxis erst noch an den Gedanken gewöhnen, dass ihr Berufsstand kein Garant mehr für bedingungslosen Wohlstand ist. Mancher ist seit zwanzig oder dreißig Jahren im Geschäft und muss seiner Einkommenskurve beim stetigen Herabsinken zuschauen. Schwer, das hinzunehmen und das Beste aus der Situation zu machen. Noch schwerer, andere aus der Verantwortung zu entlassen.

Wenig zufrieden scheint es zu machen, wenn man neben der Berufsausübung beispielsweise noch über eine Immobilie verfügt, in der man entweder selbst residiert oder andere wohnen lässt und somit die Verpflichtung eines Vermieters auf sich nimmt. Glücklich scheint man auch nicht mit der Tatsache zu sein, dass man die wichtigsten Fernreisen bereits unternommen, einen halbwegs vernünftigen Personenkraftwagen in der hauseigenen Garage oder zumindest auf dem Parkstreifen stehen hat, die Kinder – soweit vorhanden – in vernünftige Schulen schicken und sich eine wöchentliche Putzkraft leisten kann.  Man nutzt zwar guten Gewissens schön ausgebaute Straßen, wo man den Zweitwagen bei Sonnenschein mit heruntergelassenem Verdeck spazieren fahren kann und pflegt die Beziehungen, indem man Sonntags zum Grillen in den Garten seines Stadthauses einlädt. Doch mit Schöntaten und guten Reden muss man trotzdem nicht unbedingt Aufmerksamkeit erregen.

Read the rest of this entry »

 

11. März 2010

Solidarisches Bürgergeld: gut gedacht, aber nicht gut gemacht

von Erika Reglin-Hormann

“Trotz Schmarotzern brauchen wir das Bürgergeld“: Ein Kommentar von Thomas Straubhaar (Hamburger Weltwirtschaftsinstitut) in Welt online zu lesen.

Hier zitiert er zunächst die Parteien: “Es findet sich im gemeinsamen Koalitionsvertrag von CDU, CSU und FDP vom 26.10.2009 die Absichtserklärung: Die Koalition nimmt sich vor, die vielfältigen und kaum noch überschaubaren steuerfinanzierten Sozialleistungen darauf hin zu überprüfen, ob und in welchem Umfang eine Zusammenfassung möglich ist. In diese Prüfung wird auch das Konzept eines bedarfsorientierten Bürgergeldes einbezogen.”

Und weiter: “Das Bürgergeld sorgt für ein Mindesteinkommen, das Beschäftigung fördert und Arbeitseinkommen nicht benachteiligt.”

Aus Sicht der Grundeinkommensbefürworter sind Herrn Straubhaars Argumente in Bezug auf die Bedingungslosigkeit mehr als richtig. In der Frage jedoch, welches Finanzierungsmodell geeignet erscheint, scheiden sich die Geister. Das “solidarische Bürgergeld” ist nicht der Weisheit letzter Schluss.

Die BGE-Modelle unterscheiden sich grundlegend in zwei Varianten:

  • Finanzierung durch Besteuerung von Einkommen
  • Finanzierung durch Besteuerung von Konsumgütern

Eine dritte Variante – möglicherweise als ergänzende Finanzierung – wäre beispielsweise die Besteuerung von Finanztransaktionsgeschäften.

Read the rest of this entry »

 

6. März 2010

Das viel beschworene Normalarbeitsverhältnis

von Erika Reglin-Hormann

Es wird sich bald im Museum bestaunen lassen. Von einer modernen Zivilisation, die sich bestätigt, dass die Politik des auslaufenden 20. Jahrhunderts ihrem eigenen Fortschritt hinterherlief.

Das Normalarbeitsverhältnis ist defakto nicht mehr haltbar – es ist heute schon Fiktion. Sowohl in der Ökonomie als auch in einer Gesellschaft, die sich derartig drastisch gewandelt hat und deren Bedürfnisse – aufgrund eines sich verändernden Arbeitsmarktes – komplett andere sind als noch in den 70er oder 80er Jahren. Das institutionelle Gefüge der Regulierung des Erwerbssystems – also das heutigen Sozial- und Steuersystem – versucht Normalarbeitsverhältnisse mit heißblütigen öffentlichen Debatten zu konstruieren, während doch bereits längst klar ist: Dies ist keine Normalität mehr, sondern das nicht Loslassenwollen einer Vergangenheit.

Warum sollen wir zu einem solchen Normalarbeitsverhältnis also zurückkehren wollen sollen, wie es in der Bundespolitik so vehement vertreten wird? Der einzige Schluss, den man jetzt noch zulassen kann, ist: das Parlament scheint eine visionsresistente Stätte zu sein. Die Bundespolitiker fürchten um ihre Daseins-Berechtigung. Es ist irritierend. 

Read the rest of this entry »

 

4. März 2010

Wie wird man reich?

von Erika Reglin-Hormann

Der Wert des Geldes. Und warum wir ein Grundeinkommen brauchen.

Geld haben wollen wir alle. Warum eigentlich? Wofür wird Geld verwendet?

Das Geld, das wir in einer Fremdversorgungsgesellschaft erwirtschaften, wird für Miete, Lebensmittel und die grundlegendsten Bedürfnisse ausgegeben. Alle, die dann noch einen Überschuss haben, geben dieses Geld aus, um sich etwas zu gönnen: den nächsten Urlaub, das Auto, den Computer, Bücher, Kulturgüter, Freizeitvergnügen. Wer dann immer noch etwas übrig hat, überlegt sich vielleicht, dieses Geld in die eigene Zukunft zu investieren oder in die Zukunft der Kinder.

Schwierig wird es dann, wenn wir Geld ausgeben, das wir eigentlich nicht haben. Read the rest of this entry »

 

1. März 2010

Volle Beschäftigung voraus!

Von Erika Reglin-Hormann, 28. März 2010

Die Vollbeschäftigung - das Schlagwort der Politik in diesem Jahrtausend

Unser Land beherbergt 82 Millionen Bundesbürger. Die Zahl der Vollbeschäftigten - also derer, die in einem sozialversicherungspflichigen Beschäftigungsverhältnis stehen - liegt bei rund 27 Millionen. Zweiundachtzig minus siebenundzwanzig macht fünfundfünfzig. 55 Millionen Menschen in diesem Land existieren also jenseits der definierten Vollbeschäftigung.

Wie machen die das? Read the rest of this entry »

 

25. Februar 2010

Versuchsobjekt Mensch

von Erika Reglin-Hormann

Wie wirkt ein bedingungsloses Grundeinkommen auf das Verhalten des Menschen?

Bei uns in Deutschland ist man schnell bei der Hand, ein BGE als Ursache für ein künftiges Abhängen in der sozialen Hängematte zu prognostizieren. Anscheinend glaubt man, große Bevölkerungsteile hätten dann nichts Besseres zu tun, als sich auf dem Geld auszuruhen und frech jede Arbeit zu verweigern. Nebenbei gefragt: Wo kommt so so eine Verweigerungshaltung eigentlich her?

Hierzu greifen die Medien gern auf öffentlichkeitswirksame Beispiele der deutschen Arbeitslosenszene zurück: Henrico Frank und Arno Dübel; der eine gilt als der berühmteste, der andere als der frechste Arbeitslose. Zuhause vor den Bildschirmen bildet sich eine entrüstete Menge, die nicht fassen kann, was bei uns im Land los ist. Und solchen Leuten auch noch ein Grundeinkommen schenken? Nein, Danke, sagen da viele.

Nur: Sich selbst um etwas zu bringen, weil man es anderen nicht gönnt: das ist schon etwas seltsam.

Dass beide Herren auch nichts anderes sind, als Futter für die Einschaltquoten, möglicherweise mit Honorar geködert, um im Fernsehen als stereotype Nichtsnutze aufzutreten, ist der eigentliche Skandal. Es ist schwer, sich gegen diese Art der Meinungsmache zu wehren. Stattdessen blickt man – irgendwie auch genüsslich – auf diese schändlichen Beispiele deutschen Versagens und fragt sich, wer sich sonst noch am System gesund schmarotzt. Willkommen bei “Running Man”.

Read the rest of this entry »

 

24. Februar 2010

Grundeinkommen - das Streben nach Glück?

Von Erika Reglin-Hormann, 23. Februar 2010

Es war einmal eine Idee …

Wo kommt er eigentlich her, der Gedanke, dass alle Menschen vom Wohlstand profitieren sollten? Gibt es die Idee seit es die Geldwirtschaft gibt? Rührt diese Art der Anschauung aus dem Industriezeitalter? Oder geht alles noch viel weiter zurück in der Zeit? Wie und warum sind sie entstanden: die Sozialutopisten?

Wer nach Antworten sucht, wird in den Geschichtsbüchern fündig.

Anfangen kann man bei Aristoteles, wenn man beiseite lässt, dass er bestimmte gesellschaftliche Gruppen bei seinen Überlegungen diskriminierte. In der Definition von Glück bewertete der Philosoph Gelderwerb und Reichtum lediglich als “Mittel zum Zweck” und nicht als übergeordnetes Ziel. Im Fehlen dieser Mittel, also “Reichtum, Freunde und Macht” würde zwar das Glück getrübt, dies führte er jedoch darauf zurück, dass diese Art der Mittellosigkeit unter anderem zu Einsamkeit führt.

Womit in der heutigen Sprache nichts anderes gemeint ist, als dass ein zu geringes Einkommen Menschen ausgrenzt und wenig bis keine Teilhabe am gesellschaftlichen Prozess möglich ist.

Das Genussleben, reduziert allein auf die Befriedigung von Begierden, lehnte Aristoteles im Hinblick auf die Glücksdefiniton ab, wenngleich “äußere oder körperliche Güter” für ihn notwendige oder hilfreiche Bedingungen darstellten, um glücklich zu werden.

Auch hier lässt sich eine Parallele in die Gegenwart ziehen, bedenkt man den Aspekt des zügellosen Konsums in einer Überflussgesellschaft (siehe auch Erich Fromm). Die bestimmte Begierden befriedigt, doch kein endgültiges Ziel oder kein “jetzt ist genug” zur Verfügung stellt.

Read the rest of this entry »

 

23. Februar 2010

Grundeinkommen: Blogging Spezial

Willkommen in der Kategorie „Grundeinkommen“. Hier veröffentlichen wir in regelmäßigen Abständen Beiträge zum bedingungslosen Grundeinkommen (BGE) u. a. in Kooperation mit einer freien Autorin, Erika Reglin-Hormann. Sie betreibt einen spezialisierten Blog rund ums Thema mit dem Untertitel “welcome the future“.

Da ein BGE signifikant mit Themen aus den Bereichen Arbeit, Wirtschaft, Soziales, Kultur, Wissenschaft, Geschichte und auch Philosophie verknüpft ist, bietet es jede Menge Diskussionstoff und Denkfutter. Wie könnte ein Global Change mit einem Grundeinkommen aussehen? Dem wollen wir uns etwas kontinuierlicher widmen.